MARKTMISSBRAUCHSVERORDNUNG (MMVO / MAR)

 


Ad-hoc-Publizität

Die Pflicht zur Ad-hoc-Publizität gemäß Art. 17 Abs. 1 MMVO sieht vor, dass ein Emittent Insiderinformationen, die unmittelbar seinem Tätigkeitsbereich entstammen, den übrigen Marktteilnehmern so bald wie möglich zur Verfügung stellt. Sie ist das Kernelement des Insiderrechts. Als Pendant zur Regelpublizität und durch die sofortige Veröffentlichung entstehender Insiderinformationen soll dem verbotenen Insiderhandel präventiv die Grundlage entzogen werden. Zugleich hilft die Ad-hoc-Publizität den Kapitalmarkt für Anleger transparenter zu gestalten, wodurch das Vertrauen in den Markt gestärkt sowie eine effiziente Preisfindung gewährleistet wird. 

Im laufenden Geschäftsbetrieb einer Aktiengesellschaft entstehen aber auch sensible Insiderinformationen, deren sofortiges öffentliches Bekanntwerden dem Emittenten erheblichen Schaden zufügen könnte. Diese Konstellation hat der Verordnungsgeber berücksichtigt, sodass gemäß Art 17 Abs. 4 MMVO dem Emittenten ermöglicht wird, sich von der Ad-hoc-Pflicht bei gegebenen Voraussetzungen selbst zu befreien. Die Veröffentlichung kann dann solange aufgeschoben werden, bis die Publikation dem Emittenten nicht mehr (wesentlich) schaden kann. Häufig findet die Bekanntgabe von kursrelevanten Vertragsverhandlungen erst mit geschlossener Vereinbarung statt, um die Modalitäten nicht schon vor dem Abschluss des Vertrags durch die Reaktion des Marktes zu verfälschen. Sobald die Möglichkeit der der Selbstbefreiung weg fällt, ist die Insiderinformation dann aber eine Ad-hoc-Publikation vorzunehmen. 


Grundlegendes zur Ad-hoc-Publizität

Selbstbefreiung von der Ad-hoc-Publizität


KRAMMER JAHN-PRAXISHINWEIS: Sind Insiderinformationen bei Emittenten des Freiverkehrs vor dem 02.07.2016 entstanden und über diesen Zeitpunkt hinaus aktuell, so sind sie unverzüglich zu veröffentlichen! Dadurch, dass der Emittent mit Inkrafttreten des Ersten Finanzmarktnovellierungsgesetzes transparenzpflichtig wird, mussten am 02.07.2016 alle noch substanziellen Insiderinformationen offengelegt werden, sofern keine Selbstbefreiung nach Art 17 Abs. 4 MAR vorgenommen wurde. Der Befreiungsbeschluss ist aus Gründen der Beweislast zur Überprüfung durch die BaFin zu dokumentieren.